4.671,25 km Solo-Rennradfahrt vom Atlantik zum Schwarzen Meer: Yannick Hackebeil finisht das 11.Transcontinental Race

Am Mittwoch, den 13. August um 14:40 Uhr erreichte Yannick nach 16 Tagen, 14 Stunden und 42 Minuten die Stadt Konstanza in Rumänien am Schwarzen Meer und erfüllte sich damit einen Traum: eines der härtesten unsupported Radrennen der Welt im Zeitlimit zu beenden.
Das Transcontinental Race, kurz „TCR“ ist ein Radrennen jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Frei nach dem Motto: „Wir fangen da an, wo andere aufhören“, startete das TCR N°11 in Santiago de Compostela, dem Zielort des weltberühmten Jakobsweges. Vorgegeben waren neben Start- und Zielort fünf Pflicht-Parcours mit bis zu 170 km und 3.000 Höhenmetern sowie weiteren Checkpoints, verteilt über die gesamte Strecke. Highlights, die man sonst nur von der Tour Tour de France, dem Giro d’Italia und der spanischen Vuelta kennt, waren
- Picos de Europa
- Pyrenäen (Col du Tourmalet)
- Strada dell'Assietta (Colle della Finestre)
- Strade Bianche (Pacentro)
- Burrel (Albanien)
Dazwischen konnte, nein musste jeder seine eigene Route wählen, ob kurz, steil und steinig oder flacher mit zig Kilometern Umweg, aber auf halbwegs befestigten Straßen. Die Dimensionen des TCR und der fehlende Support heben dieses Rennen in die Liga der großen Profiradrundfahrten. „Unsupported“ bedeutet aber nicht nur Radfahren. Den Ultracylists ist nicht erlaubt, private Versorgung durch Dritte oder sonstige engagierte Hilfe von außen anzunehmen. Kein Team steht den über 400 Teilnehmern zur Seite, wenn es um Streckendetailplanung, Navigation, Verpflegung, Pausen- und Ruhezeiten, Unterkunftsuche, Pannenbehebung und Reparaturen geht.
Yannick Hackebeil war einer der mutigen Radsportler, die für dieses Rennen sogar ihren Jahresurlaub opferten und sich auf unbekanntes Terrain begaben. Mit noch nicht einmal 30 Jahren hatte er es sich zum Ziel gesetzt, den warmen Sandstrand in Konstanza rechtzeitig vor Ablauf des Zeitlimits zu erreichen.
Neben den Dingen des täglichen Bedarfs musste Yannick auf dieser Gesamtstrecke alles, was er benötigte bzw. zu benötigen glaubte, entweder am Rad bzw. Körper mitführen, es sich mit viel Organisationsgeschick besorgen oder gar improvisieren. So wog Yannicks Carbonrad statt 7,8 kg stolze 21,4 kg bei der Abfahrt. Dies bedeutete, dass er jedes Teil, jedes Gramm über jeden der fast 4.700 Kilometer und 52.000 Höhenmeter zu transportieren hatte. Pro Tag waren dies im Durchschnitt ca. 275 km und 3.100 hm. Wobei es selten für mehr als drei Stunden Schlaf pro Nacht gereicht hatte.
Ein ungläubiger Blick in die Europakarte verdeutlicht die Mammutdistanz des Rennens. Von Santiago de Compostela in Nordspanien wurde nach dem Erreichen des nordwestlichen Gipfels von Spanien die grobe Richtung über Nordspanien und Südfrankreich vorgegeben. Nach einigen Pyrenäenpässen, der Provence und Alpenpässen wechselte die Richtung nach Süden zur Riviera. Über die weißen (Schotter)Straßen der Toskana wurde der italienische Stiefel zur Adria hin überquert. Vom südostitalienischen Bari - hier hatten Mensch und Maschine bereits ca. 3.500 km in den Beinen bzw. auf der Kurbel - ging es auf die Fähre nach Burrel in Albanien, die jedoch nur zweimal täglich verkehrt. Bei Yannicks Ankunft in Bari war das Teilnehmerfeld bereits weit auseinander gezogen. Über ein Drittel hatte inzwischen sogar aufgeben müssen, wobei Yannick seine Platzierung von Checkpoint zu Checkpoint verbessern konnte.
Albanien, Nordmazedonien, Serbien, Bulgarien und Rumänien schließlich bildeten den letzten Abschnitt des Rennens. Gerade in Südosteuropa sollte es sich zeigen, wer mit den besonderen Herausforderungen des Balkans gut zurecht kommt. Straßenzustände, Infrastruktur und Kommunikation unterscheiden sich hier spürbar im Vergleich zur mitteleuropäischen Heimatregion. Ebenso abwechslungsreich wie Landschaft, Architektur und Kultur waren jedoch auch die Herausforderungen: Dauerregen ab Rennbeginn - nichts blieb trocken; kurze Schlafpausen - keine Chance auf trockene Kleidung; steile Anstiege und unfahrbare Offroad-Passagen. Letztendlich auch sengende Hitze im Balkan - mehrfach am Rande des Hitzeschlags, sowie technische Pannen und ein leichter Sturz in Albanien. Hier zeigte Yannick seine mentale Stärke: Ruhe bewahren, neu ordnen, weitermachen. Teilweise mussten übelste Streckenabschnitte sogar geschoben werden - nicht einfach, wenn die Uhr tickt. Kilometer um Kilometer fraß er sich durch unbekanntes Terrain Richtung Donautal, das er am Anfang der dritten Rennwoche schließlich erreichte. Doch auch hier hatte der Veranstalter nochmals ein Schlusssegment mit besonders schwierigen Abschnitten eingebaut. Wohl dem, der noch eine Portion Selbstmotivation übrig hatte. Yannick hatte sie - und finishte.
Warum tut man sich das an?
Warum opfert Yannick seinen Jahresurlaub für diese Strapazen, die schon mit einer langen Flixbus-/Bahn-/Leihwagen-Anreise begannen? Sein Statement: „Einmal im Leben ein Rennen dieser Klasse fahren - und dann das als härtestes gehandeltes TCR finishen. Alle anderen Herausforderungen wirken im Vergleich dazu klein. Das gibt unheimlich viel Motivation und Durchhaltevermögen für die Zukunft."
Der SkiClub Karlsbad gratuliert seinem jüngsten Ultrasportler Yannick Hackebeil zu dieser unfassbaren Ausdauerleistung, sowohl körperlich als auch mental. Ein österreichischer Teilnehmer beschrieb ihn gar so, nachdem er ihn mehrfach unterwegs getroffen hatte:
„Herzliche Gratulation an die 94 mit den coolen Socken!!! Super Typ, starker Radlfahrer und immer gut drauf. Es war ihm eine Ehre ihn (so oft) getroffen zu haben. Riesen Kompliment. Für mich eindeutig „the man of the race“.
Yannick erreichte Platz 94 und kam damit als Debutant innerhalb des ersten Viertels aller Starter ins Ziel. Chapeau! Ein Erfolg, der bleibt.
pep/yh, 18.08.2025