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02. August 2021

ICH HABE EINEN TRAUM war wie jedes Jahr das Motto des Ötztaler-Rennradmarathons. Am 26.8.07 war es für Andreas Klein, Andreas Dressler, Bernhard Becker, Bernhard Walli, Jürgen Tieker, Karin Burster, Markus Rabold, Michael Otter, Paul Prechtl, Uli Seyfried vom SC Karlsbad-Radteam wieder soweit. Jeder wollte sich dabei den Traum von seiner Bestzeit bei einem der härtesten Alpenmarathons mit 4 Pässen, 238 Km und 5500 Höhenmeter erfüllen.

Die Wetteraussichten für den Wettkampftag waren perfekt, als wir am Vortag nach zäher, staulastiger Anreise im Ötztal ankamen. Wie immer wurden wir herzlich von Frau Fiegl in der Pension "Christian" empfangen.

Das anschließende Warmfahren unterbrach Paul leider mit einem unsanften Sturz in einem sandigen Kreisverkehr und sein Start am Folgetag war durch die Schürfwunden und starken Schulterschmerzen gefährdet.

Abends ging`s zusammen mit den mitgereisten Familien zur Pastaparty in die große Freizeitarena-Halle in Sölden. Die Vorstellung der Strecke mit seinen Schlüsselstellen und die allgemeinen Infos, waren für die meisten von uns nichts neues. Manche von uns nahmen zum 3.-5. mal teil.

 

Am nächsten Morgen, nach einer, für die meisten unruhigen Nacht, einem "Blümchenkaffee" und leichtem Frühstück rollten wir gemeinsam um 5.45 Uhr zum Start- mit Paul, der trotz starker Schmerzen und Schwellung sich der Herausforderung stellen wollte. Jürgen konnte sich noch Zeit lassen, da er durch seine hervorragende Platzierung im Vorjahr, das Privileg besaß, im ersten Startblock zu stehen. Mit 8 °C war es noch recht frisch, aber die Aussicht auf trockene Straßen und einen angenehmen Sommertag steigerte die Motivation und wir entschieden uns fast alle nur maximal Armlinge und eine Windweste anzulegen.

Um 6.30 Uhr fiel der Sartschuß und wir waren alle froh, die ersten heiklen 32 km runter nach Ötz ohne Sturz hinter uns zu bringen. Noch dicht aufeinander kämpfen schon viele der insgesamt 4500 Starter auf der abfallenden Strecke um Plätze und bei der hohen Geschwindigkeit kommt es nicht selten schon zu Beginn zu Stürzen.

Die anschließende Auffahrt nach Kühtei (auf 2020 m mit max. 18 % Steigung) zieht das Feld erstmals auseinander. Oben erwartet uns die erste Verpflegungsstation, wo wir Trinkflaschen mit Isogetränken, Wasser, Tee, Suppe etc. auffüllen können und unsere mitgenommenen Riegel-und Gelvorräte mit Kuchen, Brötchen, Kekse, Obst, Nüssen...nach Wunsch ergänzen konnten.. Wenn wir nicht auf der Jagd nach Bestzeit wären, könnte man eine richtige reichhaltige Vesperpause einlegen. Insgesamt erwarten die Fahrer unterwegs 5 reichhaltige Verpflegungsstationen.

Nach der Abfahrt nach Innsbruck geht´s weiter auf den Brennerpass (1374 m mit max 12 % Steigung) dann abwärts nach Sterzing um gleich wieder in gleichmäßigem Anstieg hinauf auf den Jaufenpass (2099 m mit 12 %) zu klettern. Die Sonne hatte sich etwas hinter Wolken versteckt, so dass die Hitze erträglicher wurde.. Bei der langen Abfahrt nach St. Leonhard konnten man noch mal Kraft tanken für die letzte große Auffahrt auf´s Timmelsjoch (2509 m mit max 14 %) mit langen 26 Kilometern.

Wenn es dann an der letzten Verpflegunggstation heißt : noch 11 Km und 900 Hm , schwirrte wohl einigen von uns durch den Kopf: noch einmal Kaltenbronn hoch !!...wenn dann endlich die langersehnte Tunneldurchfahrt erreicht ist, erzeugen nicht nur frischer Wind und niedrige Temperaturen auf 2500 Metern Höhe Gänsehaut, sondern auch die Gewissheit, dass man es fast geschafft hat. Die abschließenden Kilometer abwärts und der 150Hm Gegenanstieg, der zwar nochmal richtig in den Oberschenkeln weh tut, müssen nun nur noch sturz- und pannenfrei geschafft werden.

Sind wir alle glücklich, stolz, ohne Zwischenfälle und fast alle mit persönlicher Bestzeit in´s Ziel eingerollt; empfangen und umjubelt von den Begleiterinnen Nicole Becker und Michaela Prechtl. Respekt vor unserem Paul, der sich mit Schmerzen und wie später diagnostiziert wurde, einer angebrochenen Schulter durch den Ötztal-Marathon gekämpft hatte.

Nach der wohlverdienten Dusche und einem Regenerationsnickerchen ging´s abends zum Energiespeicheraufladen in eine Pizzeria. Ob man wollte oder nicht, man hörte in allen Ecken von den Erlebnissen und Gefühlen des Tages. Die anschließende Siegerehrung in der stickigen Freizeitarena-Halle hielt uns nicht lange dort, und wir sind alle recht früh in´s Bett.

Am nächsten Tag nutzten einige von uns noch den sonnigen Tag, um uns mit dem Sessellift nach Hochsölden gondeln zu lassen und von dort einen unerwartet steilen, anstrengenden 600 Hm Anstieg zur Rotkogelalm zu unternehmen.

Als Belohnung gab´s einen tollen Blick auf die umliegenden Berge und Kaiserschmarrn, den sich dann auch die 2 Becker-Jungs Lukas und Manuel als Aufstiegsbelohnung schmecken ließen. Am frühen Nachmittag trennten sich dann die Wege der SC-Radler; entweder ging´s nach Hause oder für manche weiter zum Urlaubsziel.

Vom guten Gefühl, den Ötztaler wieder einmal , vielleicht sogar in Bestzeit, gemeistert zu haben und mit einem tollen Team unterwegs gewesen zu sein, werden wir noch ein Weilchen zehren, bis es 2008 wieder heißt : ICH HABE EINEN TRAUM.

Vielen Dank auch noch mal an die mitgereisten Familienmitglieder, die uns moralisch großartig unterstützt haben und die Ötztaler-Euphorie geduldig und verständnisvoll mit uns geteilt haben.